ISO-Standardisierung in Arbeit

Wo steht der Blockchain-Standard?

BLOCKCHAIN STANDARDISIERUNG

Im Jahr 2016 wurde eine internationale ISO-Arbeitsgruppe gegründet, um die Standardisierung der Blockchain-Technologie voranzutreiben.

Wo steht der Blockchain-Standard?

Der formale Prozess einer ISO-Standardisierung durchläuft mehrere Stufen: vom erstmaligen Vorschlag über die Bearbeitung einer Umfrage bzw. Diskussion bis zur Veröffentlichung der Norm.Die geplante Blockchain-Standardisierung steht noch ganz am Anfang: Die internationale ISO-Arbeitsgruppe wurde im Jahr 2016 gegründet und Anfang 2017 fand die konstituierende Sitzung statt. Unter der Bezeichnung „ISO/TC 307 - Blockchain and distributed ledger technologies“ sollen verbindliche Standards entstehen. Auch die DIN in Deutschland startete im Jahr 2017 mit einem entsprechenden Gremium, um sich mit eigenen Vorschlägen in diesen Prozess einzubringen.
Auf die Beteiligten wartet eine Menge Arbeit: So ist zunächst eine einheitliche Terminologie bzw. Ontologie aller bei Blockchain verwendeten Verfahren, Methoden und Technologien notwendig. Darüber hinaus sind APIs und Schnittstellen zur „echten“ Welt zu entwickeln, damit Anwender reale Werte in einer Blockchain als Token definieren können. Auch die Smart Contracts, über die zusätzliche Business-Regeln für Transaktionen hinterlegt werden können, müssen interoperabel sein, also mit unterschiedlichen Implementierungen einer Blockchain-Lösung arbeiten. Bei Ethereum gibt es hierfür den ERC20 Token-Standard, der festlegt, wie viele und welche Funktionen bzw. Smart Contracts auf einem Token ausgeführt werden können. Hier hat sich durch die Community bereits ein De-facto-Standard etabliert.

Ab wann ist Blockchain eine Blockchain?

Ganz profan ist aber auch festzulegen, ab wann sich eine Lösung überhaupt mit dem Begriff Blockchain schmücken darf: Welche Software-Komponenten definieren also eine Blockchain-Lösung und wie können Unternehmen prüfen, ob es sich nicht nur um eine Peer-to-Peer-Datenbank handelt. So wirbt das IOTA-Framework zwar mit Blockchain-Technologie, wird aber von Experten gerne als eine Blockchain ohne Blöcke und ohne Chain bezeichnet.Über die reine Normierung hinaus gilt es auch, die technologische Entwicklung voranzutreiben und diese innerhalb des Normierungsverfahrens abzubilden. Beispielsweise gibt es beim Konsens-Mechanismus noch Nachholbedarf, da dieser noch extrem rechenintensiv ist. Derzeit sind über 30 verschiedene alternative Verfahren in der Diskussion, die auch die Transaktionszeiten verkürzen könnten.
Ein weiteres Thema für die Standardisierung ist der Datenschutz: Bei einer für alle Teilnehmer einsehbaren Transaktionshistorie sind unter Umständen zusätzliche Mechanismen notwendig, um personenspezifische Daten aus der einsehbaren Blockchain zu eliminieren. Für den Unternehmenseinsatz ist darüber hinaus die Haftungsfrage zu definieren. Bei Transaktionsgeschäften übernimmt die zentrale Instanz üblicherweise die Haftung, also bei einer Überweisung wäre dies die Bank. Auch bei Paypal, Airbnb oder Uber übernimmt die Plattform die Haftung. Dieser „Man in the Middle“ entfällt bei einer Blockchain-basierten Transaktion. Für Unternehmen ist dies eine Situation, für die eine Lösung gefunden werden muss. Ein Beispiel hierfür ist das bei Hyperledger-Systemen implementierte Rollenkonzept: Dies erlaubt eine zentrale Regulatorrolle, auch wenn dies dann keine Blockchain mehr im klassischen Sinne ist.Allerdings sind Standards für die Blockchain-Entwicklung derzeit nicht die entscheidende Herausforderung. Viel wichtiger sind Organisationen und Arbeitsgruppen, die aktiv sinnvolle Projekte umsetzen und dadurch ein funktionsfähiges Ökosystem schaffen, durch das ganz automatisch Vertrauen und Investitionssicherheit in die Blockchain-Technologie entstehen.
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