BLOCKCHAIN FÜR DIE ÖFFENTLICHE VERWALTUNG

Die Blockchain ist ein ernsthafter Game Changer bei der Modernisierung von Verwaltungsprozessen.

BLOCKCHAIN EROBERT DIE VERWALTUNG

Mit Blockchain beschäftigen sich Bund, Länder und auf kommunaler Ebene insbesondere auch zahlreiche öffentlich-rechtliche Rechenzentren. Blockchain hat das Potenzial, Verwaltungsabläufe effizienter zu gestalten.

Anwendungsszenarien der Blockchain für moderne E-Government-Services

Für die öffentliche Verwaltung sind vielfältige Blockchain-Szenarien denkbar. So betreiben seit Ende 2017 acht kommunale Rechenzentren und Vitako-Mitglieder ein eigenes Blockchain-Labor zur Erprobung praktischer Blockchain Anwendungsfälle. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beispielsweise erprobt die Blockchain-Technologie zur Nachverfolgung von Statusänderungen im Asylverfahren.

Prinzipiell ist die Technologie immer dort einsetzbar, wo eine universelle Beglaubigungstechnik benötigt wird, Identitäten validiert (sogenannter Audit Trail), Berechtigungen an nativ digitalen oder zu digitalisierenden Werten überprüft bzw. nachgewiesen werden sollen.

Für die öffentliche Verwaltung sind vielfältige Blockchain-Szenarien denkbar.”

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Wichtige Anwendungsbeispiele Blockchain

Vernetzte Register
Beantragung von Anwohnerparkbescheinigungen
Neue Formen der E-Partizipation
Anreize für die E-Government-Nutzung mittels Token Economy

Vernetzte Register

Registerverfahren verbinden

In Deutschland sind über 200 Register im Einsatz. Noch müssen sich Bürger und Unternehmen bei unterschiedlichen Behörden mit ihren persönlichen Daten häufig mehrfach – je nach Anliegen und Lebenslage – anmelden. Diese redundante Datenerfassung ist zeitaufwendig und bei der Weiterverarbeitung fehleranfällig und mit Mehrkosten behaftet. Blockchain könnte als effizienter „Transaktionsriemen“ zwischen den einzelnen Registerverfahren eingesetzt werden, um z. B. Identitäten zu validieren, eingetragene Rechte zu überprüfen und Veränderungen, Auskünfte oder Nachweise manipulationssicher abzuwickeln.

So würde ein Register auf bereits bestätigte Stammdaten nach dem „once only“-Prinzip an anderer Stelle zugreifen können. Die Identitäten – auch aus Bürger- und Geschäftskonten – könnten dabei über Blockchain-Verfahren validiert und automatisiert weiterverarbeitet werden. Konkret bieten sich dazu Szenarien wie z. B. Grundbucheinträge, Verlängerungen von Ausweisen, Kfz-Register, Geburtsurkunden und Kindergeld an. Erste Verwaltungen in Europa haben die Blockchain bereits erfolgreich in ihren Grundbuchämtern realisiert.

Beantragung von Anwohnerparkbescheinigungen

Blockchain dokumentiert Transaktionen

Der Papierprozess bei der Beantragung von Anwohnerparkausweisen ist heute verwaltungsintern häufig teurer als die Gebühreneinnahmen. Blockchain kann hier helfen. Ein Pilotprojekt dazu läuft seit Sommer 2018 bei der Stadt Köln. Mit Hilfe der neuen Blockchain-Lösung zur Beantragung von Anwohnerparkausweisen können städtische Verkehrsüberwachungskräfte in der Domstadt anhand des Kfz-Kennzeichens feststellen, ob ein Pkw für diesen Zeitpunkt und diesen Ort eine gültige Parkerlaubnis besitzt. Hierzu verwenden die Mitarbeiter ein mobiles Endgerät. Bürger wiederum können dieselbe Abfrage starten, um sich ihrer Parkerlaubnis zu versichern. Perspektivisch ist es so zukünftig nicht mehr nötig, den Parkausweis in die Windschutzscheibe zu legen.

Auch das Verschicken von Papierausweisen würde damit künftig entfallen. Alles was die Ordnungskräfte bzw. Anwohner benötigen, ist ein Web-Browser, um die Lösung unterwegs aufzurufen und den Status abzufragen. In der Blockchain sind alle durchgeführten Transaktionen dokumentiert, wobei das Kennzeichen als notwendiges personenbezogenes Datum nur verschlüsselt und nicht wiederherstellbar abgelegt wird. Für die von Materna entwickelte Lösung werden georeferenzierte Daten verarbeitet, um beispielsweise die GPS-Standorte der Mitarbeiter mit den Anwohnerparkzonen zu verknüpfen. Eine Abfrage nach der Parkerlaubnis wird unter Wahrung des Datenschutzes aus der Blockchain abgebildet.

Neue Formen der E-Partizipation

Bürger übermitteln Daten

Bürger wollen sich heute temporär und themenspezifisch in ihrer Kommune einbringen. Sie wollen ihre Gemeinde, Stadt oder ihren Landkreis mitgestalten und erwarten moderne, IT-gestützte Interaktionskanäle zur lokalen Verwaltung. Im Rahmen von E-Partizipation können sich Bürger mithilfe von Internet-gestützten Verfahren an politischen Entscheidungsprozessen beteiligen und z. B. Vorschläge zum kommunalen Haushalt, bei Bürgerbegehren und dem Quartiersmanagement einbringen.

Darauf reagieren erste Städte und experimentieren mit der Blockchain-Technologie, indem sie zum Beispiel Anwohnern das Einspeisen von eigenständig erhobenen Messdaten ermöglichen, z. B. des Flug- und Straßenlärms. Die Übermittlung der Daten an die zuständige Behörde erfolgt auf Basis der Blockchain manipulationssicher und nachvollziehbar.

Anreize für die E-Government-Nutzung mittels Token Economy

Mehrwerte für Teilnehmer schaffen

Staatliche Stellen könnten über Token Economy-Prozessmodelle neue Anreize schaffen, damit Bürger stärker digitale E-Government-Services verwenden. Als Belohnung für die Unterstützung digitaler Prozesse oder die Generierung von Daten könnten die Bürger sogenannte Token erhalten, quasi ein digitales Stempelbuch, das sie später an anderer Stelle einlösen können – zum Beispiel bei städtischen Einrichtungen. In Kommunen könnten es beispielsweise Tickets für den ÖPNV, Museen oder Bäderbesuche sein. Diese Tokens sind ebenfalls ein Bestandteil der verwendeten Blockchain-Technologie und damit abgesichert gegen Verlust und Manipulation. Auf diese Weise entsteht ein geschlossenes Netzwerk mit Mehrwerten für alle Beteiligten und steigert auf leichte Weise Partizipationsformen, den Gemeinwohlsinn und die Attraktivität der jeweiligen Kommune.

Auf der CEBIT 2018 hatte Materna ein Szenario vorgestellt, bei dem die Blockchain-Technologie eingesetzt wurde, um ein Anreizsystem für mehr Bürgerbeteiligung zu schaffen. In dem gezeigten Anwendungsfall waren es Feinstaubmesswerte aus privaten Messstationen. Dafür erhielten die Bürger Citizen Blockchain Tokens, die gegen städtische Angebote eingetauscht werden konnten. Die Blockchain bildete die Transaktionsvorgänge ab und stellte sicher, dass die hochgeladenen Daten nicht manipuliert wurden. Dieser Mechanismus steigert das Vertrauen der Bürger in die Aussagekraft von Statistiken der öffentlichen Hand. Die Verwaltung wiederum profitiert von einer breiteren Basis der erhobenen Daten und steigert damit die Qualität der Ergebnisse.

Stadt Köln testet die Blockchain

In einem Pilotprojekt testet die Stadt Köln den Einsatz der Blockchain-Technologie. Die öffentliche Verwaltung wartet mit Spannung auf die Ergebnisse dieses Digitalisierungsprojektes, das von Materna technologisch begleitet wird.

So können Behörden von der Blockchain profitieren

Dieter Rehfeld, Vorsitzender der Geschäftsführung der regio IT Aachen, erläutert im Interview, welchen Nutzen die Blockchain-Technologie für die öffentliche Verwaltung bietet. Registermodernisierung und Management von Rechteübertragung sind zwei wichtige Einsatzbereiche.

Welche Blockchain für die Verwaltung?

Für Prozesse der öffentlichen Verwaltung ist insbesondere die Private Blockchain interessant: Sie kombiniert die Mechanismen eines öffentlich einsehbaren Kontobuches (Ledger) mit dem Berechtigungskonzept eines geschlossenen Benutzerkreises. Ihre Sicherheitsmechanismen sorgen dafür, dass nur bekannte Teilnehmer zugreifen dürfen. Grundsätzlich nutzt eine Private Blockchain aber die gleichen Technologien wie eine Public Blockchain. Komponenten wie Consensus und Membership Services lassen sich als Erweiterung integrieren und schaffen damit einen geschlossenen Benutzerkreis. Eine Behörde könnte dann den Zugang zu einer Private Blockchain steuern.

Die Realisierung kann zum Beispiel über die Lösung Hyperledger Fabric erfolgen, ein von der Linux Foundation bereitgestelltes Framework zur Entwicklung von Blockchain-basierten Anwendungen. Die dezentralen Knoten einer Public Sector Blockchain-Infrastruktur könnten dabei die vorhandenen öffentlich-rechtlichen Rechenzentren darstellen – auf kommunaler Ebene beispielsweise die Mitglieder der ProVitako.

Was treibt den Einsatz der Blockchain in der Verwaltung?

Jeder vierte Beschäftigte im öffentlichen Dienst ist über 55 Jahre alt und wird in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Hier wirken die Hebel der demographischen Entwicklung und führen zu einem massiven Verlust an Mitarbeitern, Talenten, Wissen, Erfahrungen und Innovationskraft. Gleichzeitig steigt die Aufgabenlast durch viele neue nationale und europäische Regulierungen. Diese Lücke kann nur durch die konsequente Umsetzung einer umfassenden Digitalisierung, Standardisierung und Automatisierung von E-Government-Services geschlossen werden. Dazu kann die Blockchain-Technologie künftig einen soliden Beitrag leisten und als ergänzende Technologie Verwaltungsabläufe und -prozesse optimierend unterstützt.

Blockchain-Engagement

Initiative Blockchain in der Verwaltung Deutschland (BiVD)

BiVD ist eine Initiative von Bund, Ländern und Unternehmen. Die Initiative Blockchain in der Verwaltung Deutschland möchte gemeinsam mit Partnern aus Behörden von Bund und Ländern, Partnern aus der Industrie, Startups und Institutionen und Initiativen in ganz Europa eine belastbare, rechtssichere und zukunftsorientierte Infrastruktur für digitale Verwaltungsdienste entwickeln.

Der Blockchain Bundesverband

Am 29. Juni 2017 hat sich der Blockchain Bundesverband gegründet. Er fordert mehr Blockchain für Deutschland, innovationsfreundliche Regulierung und Pilotprojekte in der öffentlichen Verwaltung. Der Blockchain Bundesverband ist überzeugt, dass Blockchain und ähnliche, auf Kryptografie basierende dezentrale Technologien grundlegende infrastrukturelle Innovationen darstellen.

Blockchain Schaufensterregion Mittweida

Die Stadt Mittweida, die Volksbank Mittweida eG und die Hochschule Mittweida verfolgen im Rahmen des WIR!-Programms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam das Ziel, die sächsische Region Mittweida zu einer Schaufensterregion für die Blockchain-Technologie zu entwickeln. Der Fokus liegt dabei auf Blockchain-basierten Lösungen in industriellen und öffentlichen Anwendungsprozessen. Das langfristige Ziel ist es, durch die Ansiedlung oder universitäre Ausgründung von Startups zahlreiche Arbeitsplätze in diesem Bereich zu schaffen. Auch Materna beteiligt sich an diesem Projekt.

BLOCKCHAIN-EXPERTE

Sprechen Sie unseren Experten an, wenn Sie weitere Fragen zu Blockchain haben oder konkrete Use Cases mit uns besprechen möchten.

Guido Weiland

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